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Ins Reich der Mitte und zurück

Emsland Consulting Center setzt sich für wirtschaftlichen Austausch mit China ein

Gute Beziehungen ins Reich der Mitte pflegen Karl-Heinz Weber und Alfons Westermann schon lange. Der ehemalige Bürgermeister der Samtgemeinde Lathen und der Meppener Unternehmer haben daher das Emsland Consulting Center (ECC) gegründet. Zusammen mit ihren Partnern wollen sie die Beziehungen zwischen China und Deutschland intensivieren. Einerseits soll das der wirtschaftlichen Zusammenarbeit dienen, andererseits den Kontakt zu Fachkräften aus der Volksrepublik erleichtern. Ende Juli kam eine chinesische Delegation auf Einladung des ECC ins Emsland. Die Ähnlichkeiten zwischen der Provinz Yangling und dem Emsland könnten eine fruchtbare Kooperation versprechen.

“Yangling und das Emsland sind landwirtschaftlich geprägte Regionen mit großer Wirtschaftskraft”, erklärt Karl-Heinz Weber, “sie passen auch aufgrund der vorhandenen Strukturen gut zueinander.” Seit mehr als zehn Jahren pflegt der ehemalige Bürgermeister Kontakte in die Volksrepublik, zu Firmen, staatlichen Stellen und Schulen. Kurz vor Ausbruch der Coronakrise begleiteten ihn Mitglieder des emsländischen Wirtschaftsverbandes nach Asien. An ihrer Seite auch der gebürtige Chinese und Hamburger Unternehmer Qi Li. “Sie brauchen jemanden, der die Kultur kennt und die Sprache spricht”, räumt Weber ein, “sonst sind sie da drüben aufgeschmissen.”

Mitgereist war auch Alfons Westermann. In Meppen baut der Unternehmer Reinigungsmaschinen, Wildkrautbürsten und Radialbesen für Bauhöfe, Landwirte und Privathaushalte. “Ich habe auf der Reise sofort gemerkt, wie gut beide Seiten voneinander profitieren können.”

Gut ja, aber nicht schnell und effektiv. Deshalb haben sich Westermann und Weber mit dem Logistiker Ulrich Boll und seinem Kollegen Jörg Gerdelmann, dem Hamburger Qi Li und dem Einkauf-Spezialisten Jörg Bührmann aus Esterwegen zusammengetan und das ECC gegründet. “Unser Ziel ist es, interessierten Unternehmen in beiden Ländern passende Partner im jeweils anderen Land zu vermitteln”, erklärt Karl-Heinz Weber.

Wie schnell und unkompliziert das funktionieren kann, wurde beim Besuch der Chinesen im Emsland direkt demonstriert. Zum Mittagessen gesellte sich der Emsbürener Unternehmer Bernhard van Lengerich dazu und beeindruckte die Chinesen mit seinem Jahresumsatz von 70 Millionen Euro, den er mit den Reinigungsanlagen und Fütterungsmaschinen erwirtschaftet. In China habe er bislang nicht wirklich dauerhaft einen Fuß in die Tür bekommen, räumte er ein. Die Delegation aus Yinglang dürfte hochinteressant für den Unternehmer sein. In der Provinz werden künftig etwa eine Millionen Kühe gezüchtet, die mit Mais und Heu gefüttert werden müssten. “Gerne elektrisch, kein Diesel”, ergänzte der Parteisekretär Huang Siguang. Am Vormittag stellte sich die niederländische Firmengruppe ten Kate den Chinesen vor. Das Unternehmen produziert in Sögel tierische Fette und Proteine für Hersteller von Lebens- und Futtermitteln, für die Chemieindustrie und für den Einsatz in Kosmetika.

Die Provinz Yangling ist eine aufstrebende Region und gilt als Wiege der Landwirtschaft in China. Zumindest der Legende nach hat es hier vor 304000 Jahren den ersten Feldbaugott gegeben. Vor mehr als 30 Jahren begannen die Chinesen hier aber tatsächlich damit, eine landwirtschaftliche High-Tech-Industrie-Demonstrationszone einzurichten. In der Landwirtschaft, Pflanzen- und Tierzucht, Forstwirtschaft, Agrartechnik, Lebensmittelverarbeitung, Biomedizin und Pharmazie wird hier seitdem geforscht und ausprobiert.

Mit großem Interesse hat die Delegation bei ihrem Besuch im Emsland demnach auch Bennie Kuipers von Emsflower zugehört und zugeschaut, wie er seine Tomaten züchtet, sein Gewächshaus organisiert und den 220 Millionen-Euro schweren Betrieb frei von fossilen Energieträgern am Laufen hält. Dass Roboter hier die Stecklinge sortieren, hat die Asiaten weniger beeindruckt.

Dem ECC geht es ohnehin nicht nur um den Austausch von Wissen, sondern auch um den Gewinn von Arbeitskraft. “In China sind viele gut ausgebildete junge Menschen bereit, ihr berufliches Spektrum durch einen Auslandsaufenthalt zu verbreitern, um ihre persönlichen Zukunftschancen zu verbessern”, glaubt Karl-Heinz Weber. Bei Alfons Westermann arbeiten schon zwei junge Chinesen in der Entwicklung und haben laut Firmenchef auch privat gut Fuß gefasst im Emsland. Die Polytechnische Hochschule in Yangling entlässt genügend qualifizierte Absolventen. Aber der Weg nach Deutschland ist weit und dauert, was die Beschaffung der Papiere und Anerkennung der Ausbildung angehe, so Weber. Allein für das VISA-Verfahren brauche Peking zurzeit ein halbes Jahr.

So lange wollen die Emsländer mit ihrem Gegenbesuch nicht warten und werden vermutlich im Frühherbst der Einladung der chinesischen Delegation folgen. Dann findet in Yangling die größte Agrar-Messe Chinas statt. 9000 Aussteller präsentieren hier an drei Tagen rund drei Millionen Gästen ihre Innovationen und Produkte. Jedes Jahr. “Falls Sie noch eine Maschine in China haben, kein Problem. Die bekommen wir noch auf die Messe”, versicherte Huang Siguang den Emsländern.  

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